Jubiläum Heidelberger Rasentage e.V. 2026:
Fachwissen, Tradition und modernste Rasentechnik
Quelle: Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau, Heidelberg
Bearbeitung: Kathrin Scherer
Ein halbes Jahrhundert Rasentage im Zeichen von Naturrasen, fachlichem Austausch und innovativer Technik. Jubiläum an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg (LVG HD).
Am 22. Oktober 2026 stand die LVG HD ganz im Zeichen der Rasenpflege: Zahlreiche Gäste aus der grünen Branche kamen zum Heidelberger Rasentag zusammen, der in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum feierte. Ein halbes Jahrhundert Rasentag! Seit 50 Jahren bietet die Veranstaltung eine Plattform für fachlichen Austausch, neue Impulse und aktuelle Entwicklungen rund um Rasenflächen, deren Pflege und die passende Technik.
Ein Blick zurück auf die Anfänge: 50 Jahre Heidelberger Rasentage
Zum Auftakt begrüßte Herr Dr. Bornwasser von der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau die Gäste in der nahezu voll besetzten Aula der LVG Heidelberg. Ein besonderer Programmpunkt war die Würdigung des 50-jährigen Bestehens des Heidelberger Rasentags.
Herr Werner Molitor, langjähriges Vorstandsmitglied des Veranstalters Verein zur Förderung moderner Rasenpflege e.V. nahm die Teilnehmenden mit auf eine Reise durch die vergangenen fünf Jahrzehnte. Als Zeitzeuge der Vereinsgründung gab er persönliche Einblicke in die Anfänge und die Entwicklung der Veranstaltung. Historische Programme aus den 1980er-Jahren sowie ausgewählte Rasenmäher aus vergangenen Zeiten machten deutlich, wie sehr sich sowohl die Rasenpflege als auch die eingesetzte Technik im Laufe der Jahre verändert haben.
Naturrasen oder Kunststoffrasen? Ein Plädoyer für lebendiges Grün
Den fachlichen Auftakt gestaltete Dr. Harald Nonn mit einem informativen und engagierten Vortrag zum Thema „Kunststoffrasen versus Naturrasen“. Dabei wurde schnell deutlich, dass sein Herz für den Naturrasen schlägt.
Im Mittelpunkt standen die ökologischen Vorteile natürlicher Rasenflächen und ihre Bedeutung für ein lebenswertes städtisches Umfeld. Besonders eindrücklich waren die Ausführungen zu den Temperaturunterschieden zwischen Natur- und Kunststoffrasen. Während Naturrasen zur Abkühlung beitragen kann, können sich Kunststoffrasenflächen bei sommerlicher Sonneneinstrahlung stark aufheizen und regelrechte Hitzeinseln bilden.
Dr. Nonn appellierte deshalb, insbesondere im urbanen Raum auf den Erhalt und die Pflege natürlicher Grünflächen zu setzen und diese auch in den Sommermonaten möglichst grün zu halten. Zugleich warb er dafür, dem zunehmenden Trend zu Kunststoffrasen im Privatgarten kritisch zu begegnen und der Natur den Vorrang zu geben.
Reklamationen bei Rasenflächen: Zwischen Kundenerwartung und DIN 18917
Im Anschluss widmete sich Herr Heinz Schomakers vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) einem Thema aus der täglichen Praxis: Reklamationen bei Rasenflächen und die unterschiedlichen Erwartungen von Auftraggebern und ausführenden Unternehmen.
Anhand von Beispielen aus seinem Gutachteralltag zeigte er, wie weit die Vorstellungen von Kunden mitunter von den fachlichen Anforderungen und den Regelungen der DIN 18917 abweichen können. Nicht selten werden Unternehmen auch für Mängel verantwortlich gemacht, deren Ursachen außerhalb ihres Einflussbereichs liegen.
Der Vortrag vermittelte den Teilnehmenden wichtige Grundlagen und praktische Hinweise, um Reklamationen besser einordnen, Kunden sachlich beraten und die eigenen Leistungen fachlich fundiert beurteilen zu können. Dabei wurde deutlich, wie wichtig klare Absprachen, realistische Erwartungen und die Kenntnis der einschlägigen technischen Regelwerke für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind.
Vom ersten Rasenmäher bis zur modernen Pflegetechnik
Nach einer Kaffeepause nahm Dr. Jörg Morhard von der Universität Hohenheim die Gäste mit auf eine spannende Zeitreise durch die Geschichte des Rasenmähers. Ausgehend vom ersten Rasenmäher aus dem Jahr 1830, dem Vorläufer der heutigen Geräte, zeichnete er die Entwicklung der Rasenpflegetechnik bis hin zu modernen Maschinen nach.
Dabei ging er auch auf historische Antriebskonzepte ein, bei denen Zug- und Schubpferde zum Einsatz kamen, und stellte die technischen Besonderheiten verschiedener Erfindungen aus unterschiedlichen Ländern vor. Unter dem augenzwinkernden Motto „Wer hat’s erfunden?“ wurde deutlich, wie international die Entwicklung der Rasenmäher geprägt war. So stammt der Spindelmäher aus den USA, während der Luftkissenmäher, auch Flymo genannt, z.B. in Schweden entwickelt wurde.
Der historische Rückblick zeigte eindrucksvoll, wie aus den frühen mechanischen Konstruktionen eine vielfältige und leistungsfähige Maschinentechnik entstanden ist, die heute ganz unterschiedliche Anforderungen an die Rasenpflege erfüllt.
Fachlicher Austausch und Technik zum Anfassen
Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Mensa der LVG Heidelberg ging es für die Teilnehmenden nach draußen auf den Sportplatz. Dort wartete die Maschinenvorführung, bei der aktuelle Entwicklungen und innovative Lösungen für die professionelle Rasenpflege aus nächster Nähe erlebt werden konnten.
In einem Rotationssystem besuchten die Gruppen vier Stationen und erhielten Einblicke in unterschiedliche technische Neuheiten.
- Die Firma TORO war gleich mit zwei Stationen vertreten: An einer Station wurden moderne Beregnungsanlagen mit intelligenter Technik vorgestellt, an einer weiteren standen drei Rasenmäher im Mittelpunkt, darunter auch elektrisch betriebene Modelle.
- Ein besonderer Blickfang war der vorgestellte Mähroboter, der in seiner Baureihe mit Schnittbreiten von bis zu 1,50 Metern beeindruckte. Durch die satellitengestützte GPS-Navigation können sie ihre Bahnen zuverlässig abfahren. Die Vorführungen verdeutlichten, welches Potenzial in der Weiterentwicklung automatisierter und zunehmend elektrifizierter Pflegetechnik steckt.
- Auch der Raiffeisenmarkt Mannheim präsentierte innovative Lösungen für den professionellen Einsatz. Der ferngesteuerte Mulcher Raymo Torpedo eignet sich dank seines niedrigen Schwerpunkts insbesondere für Mäh- und Mulcharbeiten an steilen Hängen und zeigt, wie moderne Technik auch anspruchsvolle Pflegearbeiten erleichtern kann.
- Darüber hinaus stellte der Raiffeisenmarkt außerdem den vollelektrischen Transporter Goupil G4 vor. Solche kompakten Nutzfahrzeuge sind beispielsweise im Luisenpark oder im Holiday Park im Einsatz. Überall dort, wo viele Menschen unterwegs sind, bieten elektrisch betriebene Transporter Vorteile, da sie lokal keine Abgase ausstoßen. Damit wurde anschaulich, welche Möglichkeiten die Elektromobilität auch für den täglichen Einsatz in Parks und Grünanlagen bietet.
- Ergänzend präsentierte die Firma STIHL über den Raiffeisenmarkt Mannheim neue Lösungen für die Arbeit mit Freischneidern. Im Mittelpunkt stand ein Schnellwechselsystem für Mähköpfe und Anbauwerkzeuge, das den Wechsel von Schneidfäden und verschiedenen Arbeitsköpfen im Sinne eines effizienteren Arbeitsablauf bei der Grünflächenpflege erleichtern und beschleunigen soll.
Die unterschiedlichen Vorführungen zeigten eindrucksvoll, wie vielfältig sich die moderne Technik für die Grünflächenpflege entwickelt – von ferngesteuerten Maschinen für anspruchsvolles Gelände über emissionsfreie Transportlösungen bis hin zu praktischen Verbesserungen bei handgeführten Geräten. Die Möglichkeit, die Maschinen direkt im Einsatz zu erleben und sich mit den Fachleuten vor Ort auszutauschen, rundete das Programm praxisnah ab.
Ein gelungenes Jubiläum mit Blick in die Zukunft
Der Heidelberger Rasentag verband zu seinem 50-jährigen Jubiläum auf anschauliche Weise Tradition und Zukunft. Die historische Rückschau machte die Entwicklung der Veranstaltung und der Rasenpflegetechnik erlebbar. Die Fachvorträge beleuchteten aktuelle Herausforderungen, vom ökologischen Wert natürlicher Rasenflächen über den professionellen Umgang mit Reklamationen bis hin zu den technischen Entwicklungen der Branche.
Die anschließende Maschinenvorführung bot Gelegenheit, innovative Lösungen kennenzulernen und neue Impulse für die eigene Praxis mitzunehmen. Das abwechslungsreiche Programm zeigte einmal mehr, wie wichtig der Austausch zwischen Fachleuten, Herstellern und Anwendern für die Weiterentwicklung der professionellen Rasen- und Grünflächenpflege ist.
Der Verein Heidelberger Rasentage e.V. bedankt sich bei allen Referenten, Ausstellern und Gästen, die diesen besonderen Jubiläumstag mitgestaltet und zu einem gelungenen Rasentag beigetragen haben.
Weitere Informationen zu den Handouts finden Sie unter: www.rasentage.de
Autorin
Kathrin Scherer
Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg
Sachgebiet Garten- u. Landschaftsbau, Biodiversität